Aus der Vergangenheit lernen, Menschlichkeit bewahren

Vor der Abendveranstaltung zum Thema „Landwirtschaft ohne Gift“ ging es um das Lernen aus der Vergangenheit und das Bewahren der Menschlichkeit:

Wir holten unseren Stargast Sepp mit dem Rad vom Alpfinger Bahnhof ab. Von dort ging es zum Mühldorfer Hart: Ein wunderschöner dichter Wald zwischen Waldkraiburg und Mühldorf, der zum Spaziergehen und Laufen einlädt – der aber eine dunkle Vergangenheit birgt: Ein KZ-Arbeitslager und

Links von mir Sepp Dürr, rechts Franz Langstein

Franz Langstein, der Vorsitzende des Vereins Für das Erinnern – KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart führte uns durch die Gedenkstätte und erzählte aus seinen Erfahrungen mit der Bewahrung dieses wichtigen Erinnerungsortes.

Die Idylle ist ein Ort der Unmenschlichkeit

Im sonnendurchschienen, friedlichen Wald waren die Bilder und Reste des KZ-Lagers für mich wie vague Erinnerungen an einen bösen Traum ..wären da nicht die menschengemachten, unnatürlich geraden Betonwege, die die Idylle mit ihrer Zweckmäßigkeit wie ein Messer zerschneiden.

Frei nach Hannah Arendt eine betonierte Banalität des Bösen, die bewußt macht: Das war kein Traum, sondern brutale Realität.

Sehr berührt hat mich, wie international die Zusammensetzung der NZ-Gefangenen war. Fast 20 Nationen waren vertreten. Grausamkeit kennt keine Landesgrenzen.

Dagegen hilft nut unser Mitgefühl und unsere Güte, etwa gegenüber den Flüchtlingen unserer Zeit.

Ich bin dankbar, daß Franz Langstein und andere Freiwillige diesen Erinnerungsort pflegen. Nicht nur dies, sie bilden SchülerInnen darin, aus andere junge Menschen durch die Gedenkstätte zu führen. Damit lernen neue Generationen aus der Vergangenheit. Und bewahren nicht nur unsere Erinnerung, sondern auch unsere Menschlichkeit. Gerade heute, im Zuge eines wieder aufflammenden Nationalismus, ist dies wichtiger denn je. Wehret den Anfängen.

Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist.

Aber Ihr seid verantwortlich, daß es nicht mehr geschieht.

Max Mannheimer, ehemaliger Lagerinsasse im Mühldorfer Hart, 1920-2016

Die Worte von Max Mannheimer sind umso wichtiger, als ich in den populistisch-nationalistischen Aussagen und Verhalten einen Spiegel aus den Anfängen der Nazis wahrnehme. Das Säen von Zwietracht, Zweifel und Angst, das Ausgrenzen, Fingerzeigen, Schlechtmachen und Schuldzuweisen. Beispiele gibt es genug. Trump in den USA, Salvini in Italien oder AfD in Deutschland – und ja, auch hier bei uns in Bayern. Diese Methoden sind Ausdruck der Schattenseite unserer Menschlichkeit. Mit lichten Seiten unserer Menschlichkeit, wie Integrität, Mitgefühl und Verantwortung, werden sie erhellt – genauso wie die Sonnenstrahlen die Unmenschlichkeit der Vergangenheit erhellen.

Judith Bogner, 29. Juli 2018 

Hier könnt Ihr lesen, wie Sepp seinen Tag bei uns erlebt hat: 

http://www.sepp-duerr.de/muehldorf-erinnerungskultur-und-zukunftsperspektiven/

„Der Weg ist das Ziel“ (Taoistische Weisheit“)