Gesunde Welt – Auf dem Weg zu einer giftfreien Landwirtschaft

In dieser Anfangsphase des Landtagswahlkamps 2018 stehen für mich 2 Aspekte im Zentrum:

1. Gesunde Welt – Klimawandel und Schutz unserer Lebensgrundlagen.

Die hitzebedingten Ernteausfälle dieses Jahr zeigen, daß der Klimawandel Naturschäden durch Monokultur, Massentierhaltung und Pestizideinsatz verstärkt. Nachhaltige extensive  Bewirtschaftung ist der richtige Weg, um Mensch und Natur wieder in ein Gleichgewicht zu bringen.

2. Aus der Vergangenheit lernen und Menschlichkeit bewahren.

Zum ersten Aspekt luden wir den langgedienten grünen Landtagsabgeordneten Sepp Dürr zu einer Diskussionsrunde mit dem Titel „Landwirtschaft ohne Gift“ ins Gasthaus Maier Gallenbach in Taufkirchen ein.

Von links nach rechts: Gerhard Landgreiter, Sepp Dürr, Judith, Hans Knollhuber, Konrad Zeiler, Bernhard Huber

Neben Sepp, einem überzeugten Biobauern, saßen mit Gerhard Langreiter, Hans Knollhuber und Konrad Zeiler auch der Bayrische Bauernverband, der Bund der Milchviehhalter und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft mit am Tisch. Die Runde ergänzte Bernhard Huber von PrimaVera Naturkorn.

Mir ging es vor allem darum, die Wertschätzung unserer Lebensgrundlagen ins Zentrum zu rücken und wie wir damit umgehen – ob als VerbraucherIn, LandwirtIn oder PolitikerIn. Die Fruchtbarkeit und Fülle, die wir in Bayern gewohnt sind, ist alles andere als selbstverständlich. Ich habe in Ländern gelebt, wo Knappheit an gesunden Nahrungsmitteln und sauberem Wasser normal sind. Daher sprach ich den anwesenden StellvertreterInnen der Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung meinen aufrichtigen Dank aus.

Meine langen Jahre in der Wirtschaft- und Finanzwelt haben mein Auge darin geschult, Strukturen zu analysieren. Seit ich vor 2 Jahren in den Landkreis gezogen bin, habe ich viel beobachtet und gelernt, auch dank meinem Imkerverein, den Bio-Betrieben und konventionellen Betrieben. Was ich sehe, ist eine Landwirtschaft, die einer Dreifachbelastung aus globalen Marktschwankungen, Strukturwandel und Klimawandel ausgesetzt ist. Globale Marktbewegungen und Wetterbedingungen sind unberechenbarer geworden. Dies ist fatal für kleine familiengeführte Betriebe, wie sie unseren Landkreis dominieren. Gewinner sind diejenigen mit einer bestimmten Größe bzw Kapitalstärke. Die gute Nachricht: Ich sehe immer mehr Verbraucher, die wie ich regionale Qualität bzw regionale Bio-Qualität wollen, die kleine lokale Erzeuger unterstützen und dafür auch mehr zahlen wollen. Und ich sehe immer mehr konventionelle wirtschaftenden Bauern, die umweltbewußter arbeiten wollen. Was ich auch sehe, ist eine bayrische Natur, deren Überleben ernsthaft bedroht ist. Ob Wasser, Boden, Bienen – Handeln tut not. Aber das muß gemeinsam geschehen. Und dazu besteht Redebedarf.

Viele Fragen von den Teilnehmern – wir hören aufmerksam hin

Der Redebedarf war in der Tat sehr groß. Die Diskussion leidenschaftlich aber konstruktiv. Immer wieder flackerten alte Vorwürfe auf, waren alte Wunden zu spüren. Letztlich herrscht aber Einigkeit darüber, daß die Zeit drängt und nur gemeinsam dem besorgniserregenden Wandel in der Natur begegnet werden kann. Zahlreiche der anwesenden Bauern bekannten, daß sie schon vielfach ökologische Ideen umsetzen und gern mehr tun würden. Klar wurde auch, daß LandwirtInnen mit der Pflege von Boden und Natur der Gesellschaft dienen. Dafür gebührt ihnen nicht nur Dank, sondern auch finanzielle Unterstützung, über ihre Erzeugnisse hinaus.

Diese Förderung muß deutlich an ökologisch wertvolle Maßnahmen geknüpft sein, wie in unserem grünen Wahlprogramm beschrieben. Das Maßnahmenpaket soll den Einsatz von Pestizide bis 2030 zu halbieren – mit dem langfristigen Ziel einer giftfreien Landwirtschaft.

Mein Fazit am Ende: Mehr miteinander reden, gegenseitig zuhören, sich in den anderen reinversetzten. Wir brauchen mehr von diesem Dreiklang, dann klappt’s mit gemeinsamen Lösungen, um mit der Natur und miteinander zu arbeiten. Dieser Abend war ein prima Anfang! Mein herzlicher Dank gilt allen Gästen und Rednern von BBV, AbL, PrimaVera, BDM und unserem Ehrengast, the one and only Sepp Dürr!

Judith Bogner 26. Juli 2018

(Teil 2 unseres Tages mit Sepp Dürr: „Aus der Vergangenheit lernen und Menschlichkeit bewahren“)