Pressefrage: Wie überzeuge ich junge Menschen vom Wert einer Lehre?

Am 20. April 2018 wurde ich vom Nachrichtenmagazin Inntern.de zum Thema Ausbildung befragt*:

„Der Digitalisierung zum Trotz braucht die Welt auch Handwerker – doch viele Betriebe beklagen ein geringes Interesse Jugendlicher am Handwerk. Die Azubis fehlen, dagegen sind die Hörsäle voll. Wie überzeugen Sie als Landtagsabgeordneter einen jungen Menschen von einer Lehre als Ausbildungsweg?“

Meine Antwort:
Mein bestes Argument ist meine eigene Vita. Bei Abiturabschluß hatte ich keine Ahnung, was ich studieren sollte. Meine Eltern ermutigten mich, eine Ausbildung zu machen, um berufliche Erfahrung zu sammeln, Geld zu verdienen und meinen Horizont zu erweitern. Inspiration aus dem Freundeskreis, meine Wanderlust und Fremdsprachenbegabung führten mich zur Lehre als Hotelfachfrau. Schon in der Lehrzeit war ich 3 Monate zum Praktikum in der Deutschschweiz. Nach Abschluss der Prüfung nochmal 2 Jahre, dieses Mal im französischsprachigen Genf. Spätestens in Genf wußte ich, daß ich meinen Intellekt noch mehr füttern wollte und entschied mich für einen Doppelstudiengang in Passau, der Sprachen, Kultur und Wirtschaft kombiniert. Als ich in Passau anfing, hatte ich mich bereits beruflich im In- und Ausland bewiesen und war in der guten Lage, im nahegelegenen Bäderdreieck meinen Unterhalt finanziell aufbessern zu können, da ich in den Semesterferien als voll ausgebildete Hotelfachfrau eingestellt und bezahlt wurde – anstatt als Hilfskraft.
Als ich nach dem Grundstudium in Passau zur Hochschule Bremen wechselte – ebenso ein Doppelstudium mit Fokus auf Wirtschaft und China – war es genauso: in den Semesterferieren arbeitete ich bei einem Touristikunternehmen bei voller Bezahlung dank meiner Ausbildung, Auslandserfahrung und Sprachkenntnisse. Außerdem konnte ich beobachten, daß ich einen anderen Überblick und Bezug zur beruflichen Realität hatte als meine Kommilitonen, die frisch vom Abi kamen. Das hat mein Lernen und die Begegnung mit den Professoren stark beeinflußt. Außerdem hat die Lehre meine Bodenständigkeit und den Respekt für praktisches Arbeiten bewahrt hat. Für mich ist die Arbeitskraft, die den Konferenzraum putzt, genauso viel wert wie der Vorstandschef.
Ich kann eine Lehre sehr empfehlen, zumal es heutzutage hervorragende Begleit- oder Aufbaumodule gibt, die zur praktischen Ausbildung weiterführendes Fachwissen und Vertiefung ermöglichen. In die Zukunft schauend glaube ich, daß ein reines Universitätsstudium ein Auslaufmodell ist.