Pressefrage: Steht eine Begrenzung des Flächenverbrauchs in Konflikt mit Bedarf an billigem Wohnraum?

Am 13. April 2018 wurde ich vom Nachrichtenmagazin Inntern.de zu folgendem Thema befragt*:

„Flächenverbrauch wird als „Flächenfraß“ derzeit zum Politikum, ebenso wie der Ruf nach billigem Wohnraum. Wie sind die gegensätzlichen Forderungen in Bayern in Einklang zu bringen?“
Meine Antwort:
Wir Grünen setzen uns ein für einen behutsameren Umgang mit Boden und Natur. Artikel 141 der bayerischen Verfassung verpflichtet Freistaat und Gemeinden zum schonenden Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen – auch dem Boden. Derzeit verschwinden täglich 13 Hektar Bayern unter Asphalt und Beton – und damit Artenvielfalt und bayrische Natur, die unsere Lebensqualität ausmachen. Ganz zu schweigen von kostbarem Ackerboden, der unsere Nahrungsgrundlage darstellt. Man muß sich vor Augen halten: Wir betonieren fruchtbaren Boden, um ihn meistbietend zu verramschen – und Länder wie China müssen weltweit Anbauboden kaufen, um ihre Bevölkerung zu ernähren.
Wegweisend sind Gemeinden wie etwa Mertingen im Donau-Ries, die sich durch eine Verdichtung und Erneuerung im Ortskern revitalisieren und auf Bauen in die Fläche verzichten. Einige wenige freiwillige Beispiele reichen aber nicht aus. Datenerhebungen des BR zeigen, daß dort am meisten gebaut wird, wo die Bevölkerung am langsam wächst – auf dem Land! Anscheinend kann nur eine gesetzliche Obergrenze einen nachhaltigen Umgang mit Boden erzwingen, etwa durch Bauen in die Höhe und Tiefe und Verdichtung der Ortskerne.
Dabei sind Neubaugebiete am Ortsrand in der Erschließung teuer und bluten den Ortskern aus. Das Problem ist der Wettbewerb unter den Gemeinden, von denen jede möglichst viele Investoren anziehen will, da sie am Immobiliengeschäft kräftig verdienen. Investoren und Banken sprechen gerne vom sogenannten “Betongold”. Preistreiber bei Immobilien ist in erster Linie die lange Niedrigzinsphase wegen fehlender ertragreicher Anlagealternativen. Wohlgemerkt, die Sparkasse ist der größte Immobilieninvestor in Bayern und verdient beim Betongold gut mit. Die Bundesbank warnt jedoch bereits seit einiger Zeit vor einer Immobilienblase in Deutschland. Gerade der Preisanstieg bei Immobilienvorhaben mit höherer Risikoklasse – wie etwa Gebiete auf dem Land – weckt Erinnerung an die Immobilienblasen in Irland und Spanien und ihre Folgeerscheinungen: brachliegende Betonwüsten dank ungezügelter Bauwut und billigem Geld.
In Bayern sind wir auf dem gleichen Weg: Laut einer Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ergab sich für das Jahr 2015 ein Versiegelungsgrad von 50,9 Prozent für die Siedlungs- und Verkehrsflächen Bayerns. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung ist, daß dies nicht so weitergehen darf. Deshalb finden wir soviel Zuspruch für eine gesetzliche Begrenzung beim Flächenverbrauch auf ein nachhaltigeres Niveau von 5 Hektar pro Tag. Dies steht im übrigen im Einklang mit der langfristigen Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung: Die sieht nämlich eine Reduzierung gegen Null vor.